Ein Sonntagskind macht sein eigenes Ding: Ambers Start in die Welt 

(Video: siehe unten).

 

Mit meiner Dobermann-Hündin Grace unterwegs im Baumarkt. Eine Dame biegt um die Ecke der Werkzeugabteilung. Sie stoppt und beobachtet uns. "Wir haben auch Dobermänner." "Ach? Wie schön! Gleich mehrere?" Zwei. Es ist sozusagen ein Dober-Ehepaar. Mit fast klischeehaft typischen Dobermann-Namen. Zeus und sein Weib Hera. Demnächst stehe sogar ein Wurf an. Der erste. -

Da werde ich aber hellhörig! Wir kommen tiefer ins Gespräch. Und ich berichte von meiner Grace und ihrer schrecklichen Diagnose: Sie hat Krebs. Übers Lymphsystem bereits gestreut. Kaum zwei Jahre habe ich Grace an meiner Seite. Gretel. So mein Kosename für das nunmehr fast 10 Jahre alte Energiepaket. Ich bin ihr Zweithalter. Bei mir verbringt sie als Betriebshund ihren Lebensabend. Sie ist wissbegierig und lernfähig geblieben wie ein Junghund. Aber ich weiß, unsere gemeinsamen Tage sind gezählt. Jeder Tag, seit der Diagnose - ein Geschenk.

Grace, Gretel, hätte eigentlich eine Riesenschnauzerin werden sollen. Um als Welpe zu mir zu kommen. Es war eine Verkettung von Zufällen, dass mich im Jahr 2015 ein Dobermann "ereilte", eine achtjährige Dobermann-Hündin. "Ereilen", klingt seltsam. Aber doch, das passt! Denn Dobermänner haben es gerne eilig. Das kommt von den Greyhound-Genen in der Züchtungsgeschichte.

Ich verabschiede mich von der Dame im Baumarkt - nicht, ohne mir ihre Kontaktdaten geben zu lassen. Und nicht ohne das Versprechen, sie möge mich bitte unmittelbar informieren, sobald der Wurf gefallen sei. An einem Sonntag im Frühling ist der Tag gekommen. 14. Mail 2017. Der Anruf.

Die große Familie eines Unternehmers. Kindergetümel im Wohnzimmer. In einer überaus großzügigen, vom Vater und seinen älteren Jungs selbst gezimmerten Wurfkiste nuckeln vier Welpen an Heras Gesäuge.

Gut sechs Wochen später tritt ein termlicher Notfall auf. Ob es wohl ginge, dass ich die Welpen für einige Tage zu mir nähme? Saisongeschäft. Sämtliche Familienmitglieder wie Firmenmitarbeiter eingespannt. Auch bei mir selbst ist Saison. Und Welpen halten auf Trab. Auch dann, wenn sie - absolut übern Tag gesehen - die meiste Zeit schlafen.

Kann ich nein sagen? Nein, ganz sicher nicht. Die Chance werde ich mir nicht entgehen lassen, jetzt zu Dobernachwuchs zu kommen. Und ich kann beobachten. Es wäre doch gelacht, wenn eines der vier Tiere nicht mein Herz gewinnen könne!

Natürlich gewinnen sie dann alle vier mein Herz. Aber ich werde mich entscheiden müssen. Die beiden Jungs fallen weg. Ich habe mich wiederum zu einem weibliches Tier entschlossen. Eine der Hündinnen offenbart eine Affinität zum Bellen. Zum Meckern? Zum Krakelen? Sie scheint eine Zukunft in Richtung "Triebigkeit" zu haben, so mein Eindruck. Die zweite Hündin - eine "Eigenbrötlerin". Das wird bereits nach zwei Tagen in meinem Umfeld offenbar. Sie sondert sich ab. Übt sich in einem gelangweilten Gesichtsausdruck. Während ihre Wurfgeschwister aneinander kuscheln, holt sich die Kleine, abseits, beim Holzunterstand ihre Wärmeeinheiten: Sonnenbad zwischen gestapelten Holzscheiten.

Sie habe hier mit niemandem etwas zu tun. Den Wert der buckligen Verwandtschaft solle man auch nicht übertreiben. Man sei Individuum. Autonomie. Freiheit. Selbstbestimmung. Werte, die zählen! Mit anderen Worten: genau solch ein Spinner wie ich. Mein Spiegelbild? - Jedenfalls ist sie die Selbstbewussteste aus diesem kleinen Vierer-Wurf. Sie ignoriert nicht nur ihre Wurfgeschwister. Sie ignoriert auch mich. Also: Sie imponiert mir. Eine Frau will ja auch erobert werden. So manche macht sich rar und trägt das Näschen in die Höhe.

Die Herausforderung will ich annehmen!