Die amtierende Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner plant neue Regelungen für Hundezüchter und Tiertransporte, vor allem aber für die Hundehalter. Diese sollen künftig per Verordnung verpflichtet werden, ihren Vierbeinern (mindestens) zweimal täglich Auslauf zu gewähren.

Als ich die Meldung vernahm, stellte ich mir unmittelbar die Frage: Ja, welcher Hundehalter macht dies denn nicht!? Zugegeben: Als Dogwalker, also als jemand, der Hunde in Gruppe ausführt und zwar von Berufs wegen, treffe ich unterwegs in Feld, Wald und Flur nur recht wenige Halter mit ihren Hunden. Mir ist das ganz recht, denn insbesondere bei reaktiven Tieren bringen frontale Begegnungen auf dem Weg viel Unruhe in die Gruppe. Nicht immer gibt es die Möglichkeit, den berühmten Bogen zu laufen, also in einer Kurvenumgehung auszuweichen. Ich darf annehmen, diejenigen berufstätigen Hundehalter, die keine gewerbliche Tagesbetreuung ihres Tieres in Anspruch nehmen, gehen zu anderen Zeiten raus. Morgens vor Schichtbeginn. Abends, nach Feierabend.

Ja, durchaus, es gibt die unglücklichen Tiere, die kaum vor die Tür kommen! Erbärmliches Schicksal für einen Hund, fünf und mehr Stunden allein in einer Wohnung verbringen zu müssen. Dann abends nur kurz fürs Häufchen in den Garten. Entsprechend natürlich die "Verhaltensauffälligkeiten". Ich darf hoffen wie vermuten, es handelt sich um Ausnahmefälle.

Aber Gassigehen quasi per Gesetz vorschreiben? Wer greift solch ein Thema auf während eines politisch verordneten Wirtschaftszusammenbruchs? Steht Lobbyarbeit dahinter? Natürlich ist eine solche Regelung ganz in meinem Sinne und im Sinne meiner Branche. Zwar denke ich, dass in einer derartigen volkswirtschaftlichen Situation durchaus andere Handlungsprioritäten gesetzt werden sollten. Nicht mehr, sondern weniger Gesetze und Verordnungen!

Und welchen Sinn ergibt eine Verordnung, deren Umsetzung praktisch wie finanziell nicht überprüft werden kann?

Realitätsnäher sind da die geplanten strengeren Regelungen für Tiertransporte, eine weitere Einschränkung der Anbindehaltung von Hunden sowie die geplanten neuen Regelungen für Hundezüchter. Man wird sehen, was im neuen Jahr 2021 aus den Planungen wird.