12.07.2011. WDR 2 "Quintessenz":
Wie finde ich die richtige Hundeschule?

Jörg Sauerwein liefert in der "Quintessenz", einer Beitragsreihe des  Radiosenders WDR 2, einen für Hundehalter interessanten Beitrag über die Qual der Wahl bei der Suche nach der "richtigen" Hundeschule.


Sauerwein stellt die eher traditionellen Erziehungsvorstellungen den pragmatisch-zeitgeistigen gegenüber. Als Beispiel dienen Karola Schlender von der Hundesportgruppe Rhein-Sieg und Martin Rösler mit seiner Hundeschule in Bornheim (Rheinland). Während Schlender das Lernprinzip der positiven Verstärkung betont, deutet Rösler die  eigentliche Sinngebung von Erziehung an: soziale Gemeinschaft durch Regeln möglich zu machen.

O-Ton Rösler: "Was ich ganz schlimm  finde, wenn man hört  'Hunde dürfen nicht bestraft werden', 'Hunde  müssen nicht begrenzt werden'. Ich denke, es ist ganz, ganz wichtig, dass man Menschen vermittelt, dass Erziehung einfach bedeutet, auch seinen Standpunkt zu vertreten. Und dass Hunde ihre Grenzen kennen müssen. Dass sie sich in unser Umfeld einordnen müssen."

Kein vernünftiger, verantwortungsbewusster Mensch kann diesen Aussagen  widersprechen. Die Streitfrage läuft also darauf hinaus: Wie kriegt man das clever hin?

In der Erziehung eines Hundes scheint es nicht  anders als im bedingt verwandten Bereich der Erziehung von Kindern: Die Hundeerziehung, die jenseits der Dienst- und Gebrauchshunde-Ausbildung  angesiedelt ist, sie scheint zunehmend Ideal- oder gar  Ideologie-Formulierungen ausgesetzt. Dabei werden durchaus Vergleichbarkeiten zum Sektor der auf Menschen bezogenen Pädagogik  deutlich. In den entgegensetzten Extremformen steht "Rosa Wattebausch" gegen die "strenge Hand", wie seit eh und je. Seit Hundeschulen, als kommerzielle, marktkonforme Modeerscheinung begriffen, wie Sand aus dem Boden sprossen und seitdem Hundesportgruppen ein Segment menschlicher Freizeitgestaltung bilden, werden die Gegenpole in den Auffassungen noch verstärkt. Denn jede Hundeschule, jeder Hundesportclub hat führende  Protagonisten. Und die haben ein Interesse, sich durch ein eigenes  Konzept unverwechselbar zu machen.

Wenn man aus dem Beitrag Sauerweins ein Fazit ziehen möchte: Die "richtige" Hundeschule mag es, auf den Einzelfall bezogen, vielleicht geben. Welche Schule indessen als richtig empfunden wird, das hängt mehr von den jeweiligen  menschlichen Glaubenssätzen und psychologischen Bedürfnislagen ab. Um  von der Situationsbeschreibung in die Situationswertung zu gehen: Die  Auswahl der Hundeschule hängt - zu Ungunsten von Hund und Halter-Hund-Beziehung - weniger ab von fachlicher Differenzierung der Sachverhalte (Rasseanlage, individuelle Situation des Hundes, individuelle Situation des Halters). Jeder taugliche "Hundetrainer" dürfte das Eingehen auf diese Differenzierung zwar beherrschen, ihr im Rahmen der notwendigen Profilgebung jedoch allenfalls zu Lasten seines Geschäftsergebnisses folgen. Denn bei Hilfen zur Erziehung des Hundes  wirken die gleichen Mechanismen wie beim Medienkonsum: Man liest selten, was ohne Wertung in Analyseanspruch informiert. Um so häufiger liest man, was die eigene Meinung bestätigt.


>> WDR 2-Beitrag "Wie finde ich die richtige Hundeschule?"

>> Mobile Hundeschule des Gassi-Service-Vorgebirge

Richtige_Hundeschule

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