Essay

Der Hund als Vorwand?

PARTNERSUCHE VIA HUND

Warum halten Menschen im heutigen Deutschland eigentlich Hunde? Wie viele von uns arbeiten beruflich als Ziegenhalter, Schafzüchter, bei der Rettungsstaffel der alpinen Bergwacht, im Sicherheitsdienst oder bei der örtlichen Schutzhunde-Staffel der Polizei?

Hüte-, Schutz-  und Rettungshunde sind derzeit in Deutschland wohl der Ausnahme-, nicht der Regelfall geworden. Andere Motive der Hundehaltung überwiegen: einen Begleiter, einen Motivator haben, um raus vor die Tür zu kommen. Einen emotionalen Ansprech- und Bezugspartner€ haben, in einer Zeit, die Menschen vor allem im städtischen Umfeld voneinander isoliert. Ein Betreuungsobjekt haben, analog zum Kind, falls die situativen Lebensumstände für ein Kind nicht gegeben sind.

Eine weitere Motivlage der Hundehaltung wurde mir erst heute bewusst: der Hund als  Mittel zur zwischenmenschlichen Kontaktanbahnung.

Entscheidender Tip war ein Link-Hinweis von Astrid Krauß, einer aktiven Organisatorin von Hundemessen:
Gassi-TV im Internet. Was es nicht alles gibt!

Am 24. April 2009 berichtet Gassi-TV über Hundeflirtbörsen. Hier flirten keineswegs Hunde miteinander. Sondern - freilich - deren Halter.

Wie beim Kokettieren mit und Verteufeln von Kampfhunden ist auch dieses Umfeld keineswegs frei von zeitangepassten Formen der Doppelmoral. Denn recht schnell ist der warnende Hinweis erreicht, es gehe da womöglich  eher um Sex. Nüchterne Naturwissenschaftler werden von solchen Hinweisen zum Schmunzeln angeregt. Denn der Mensch ist, wie der Hund, bekannterweise ein Säugetier. Und Säugetiere gehören bekannterweise zu  den sexuellen Bio-Species. Eine Wertung solcher Umstände unterlassen Naturwissenschaftler zwar. Als soziologisches Phänomen interessant ist  das Thema allemal:

>> GASSI-TV Über Hundeflirt-Börsen

Der Hund jedenfalls entpuppt sich als Kommunikationsförderer zwischen Menschen. Bei Hundehaltern ist er Gegenstand des Gespräches - wie es  unter Eltern der (menschliche) Nachwuchs und dessen Erziehungsfragen sind.

Wenn der Mensch auf den Hund kommt, um zum Menschen zurückzufinden, dann wird in der langen Kulturpartnerschaft zwischen  Mensch und Hund eine entwicklungsgeschichtlich vielleicht sehr neue Motivlage der Hundehaltung wirksam. Ohne Einfluss auf aktuelle und  künftige Züchtungsarbeit wird das kaum bleiben. Hunde werden auch gehalten, um die Image-Gebung ihrer Halter zu unterstreichen, um sich  nach außen abgrenzend und beschreibend zu definieren. Durchaus ironisch  gebrochen kann das wirken, wenn im Klischee die politisch-korrekte Tierschützerin den American-Staffordshire-Terrier des behördlich hunde-enthobenen Luden übernimmt.

Nun, vielleicht tragen neuere Phänomene wie Hundeflirt-Börsen dazu bei, dass Mensch und Hund in der Ausdrucksgebung ihres Verhaltens näher aneinander rücken? Dass zwei Bio-Species voneinander lernen?

Man soll bescheiden bleiben. Von  der sozialen Interaktion der Hunde könnten wir Menschen eine ganze Menge lernen: egal, ob in der klaren Kante der gestisch-mimischen Aussage oder umgekehrt und schmunzelnd in den Verhaltensritualen rund um Diplomatie und Gesichtswahrung. Die bewusste, auch wissenschaftliche  Durchleuchtung der Hunde-Gemüslagen ist etwas recht Neues. Bisher waren uns Hunde vielleicht zu nahe, als dass wir die geistige  Auseinandersetzung mit diesen Wesen als relevant empfunden hätten. - Als wie relevant sich die Neuerung Hundeflirt-Börsen am Markt der  zwischenmenschlichen Kontakt-Anbahnungen erweisen wird, muss sich erst noch herausstellen.

Wir dürfen gespannt sein!

Vorläufig haben Jungs eh schlechte Chancen, denn “Die Ãrzte” lassen uns politisch unkorrekt wissen:
>> Claudia hat ´nen Schäferhund


Rainer M. Liesenfeld, 25. April 2009

Partnersuche_per_Hund

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